Ortsratssitzung vom 21.02.2024

Das Jagdzimmer des Hoffmannhauses war dieses mal, im Vergleich zu sonstigen Sitzungen, mit relativ vielen Zuschauern gefüllt. Offensichtlich gab es Themen, die für einige Menschen von Interesse waren.

Wie ich im Vorfeld schon richtig vermutete, ging es in erster Linie um das Schwefelbad Fallersleben. Nachdem bereits vor einiger Zeit das Thema Betreiberwechsel recht hohe Wellen geschlagen hatte, kam es nun erneut auf den Tisch. Eine Gruppe im Rat der Stadt Wolfsburg hatte es wohl wieder aufgerollt und in Gang gebracht, wie Ortsbürgermeister André-Georg Schlichting den Anwesenden mitteilte.

Auf jeden Fall hatten sich etliche Damen im Jagdzimmer des Hoffmannhauses eingefunden, die sich dann auch während der öffentlichen Einwohnerfragestunde zu Wort meldeten. Sie zeigten entweder als Angestellte im Schwefelbad oder als Besucherinnen großes Engagement in der Sache. Man wolle auf jeden Fall verhindern, dass der Betrieb des Bades aus den Händen des Klinikums, der Stadt Wolfsburg, genommen wird. Auch wolle man sicherstellen, das Anwendungsdauer und -preise unverändert blieben. Ob der Ortsrat dies zusichern könne, war eine Frage.

Kommentar: Bis zu dem Punkt, das Schwefelbad und seine Leistungen erhalten zu wollen, konnte ich den Argumenten durchaus folgen. Und dieses Anliegen ist allen Fraktionen im Ortsrat, durch die Bank hinweg, ebenfalls immens wichtig. An der Stelle war man sich also ohnehin einig.

Bei den anderen Anliegen fehlte mir tatsächlich ein wenig das Verständnis. Das mag daran liegen, dass ich selbst das Schwefelbad bisher nie genutzt habe und mir evtl. einige Fakten fehlen. Andererseits ist ein unverstellter Blick von außen mit einer gewissen Objektivität nicht falsch, um Dinge realistisch zu betrachten.

Warum muss das Bad unbedingt vom Klinikum oder der Stadt Wolfsburg betrieben werden? Jeder andere Betreiber muss das Angebot und die Qualität der Anwendungen ebenso sicherstellen, wie es der derzeitige zu tun hat. Zumal es sich beim Schwefelbad nicht um ein “Hallenbad”, sondern um eine Gesundheitseinrichtung handelt, die entsprechende Vorgaben und Auflagen z.B. von Krankenkassen zu erfüllen hat.

Es ging in der Versammlung auch gar nicht darum, den Betrieb in fremde Hände zu geben. Vielmehr ging es darum erst einmal eine Markterkundung zu starten, um zu prüfen, ob es überhaupt jemanden gäbe, der bereit ist das Bad zu übernehmen. Denn, machen wir uns nichts vor, mit so einem Betrieb kann man keinen “Blumentopf” gewinnen. Und ein externer Betreiber muss natürlich wirtschaftlich arbeiten, sonst klappt das Ganze auf Dauer nicht. Dem Klinikum und der Stadt geht es ebenso. Auf Dauer kann so eine Einrichtung nicht defizitär betrieben werden. Auch wenn der “Schrei nach Vater Staat” schnell ausgesprochen ist, muss und sollte man realistisch bleiben. Das wenige nicht vorhandene Geld muss sinnvoll und mit Bedacht verwendet werden. Ja, darüber kann man vortrefflich streiten und es wird auch gemacht.

Grundsätzlich danach zu fragen, ob es jemand “anderes” machen könnte, halte ich gerade vor dem Hintergrund, das Bad erhalten zu wollen, für eine sinnvolle und durchaus kluge Entscheidung.

Seitens des Ortsrates wurden den Fragestellerinnen indirekt vorgeworfen, Dinge in ihrer Argumentation verarbeitet zu haben, die aus der Gerüchteküche stammen und jeglicher Grundlage entbehrten. Hier in Fallersleben ist es also wie überall im Lande: erst Fakten prüfen, dann agieren! – Hoffentlich habe wenigstens ich in diesem Artikel alles korrekt wiedergegeben 😉

Letztlich stimmte der Ortsrat dann geschlossen für den Antrag, ein Markterkundungsverfahren zum Betreiberwechsel zu veranlassen.

Damit war die Einwohnerfragestunde geschlossen – und ich war erstaunt, wie schnell die Schwefelbadverfechterinnen aus dem Saal verschwunden waren.

Kommentar: Ist es ein Zeichen der Zeit, dass “man” sich nur um die eigenen Belange und Befindlichkeiten kümmert? Sicher kann ich verstehen, dass, wenn das eigene Thema abgehandelt wurde, weiteres Interesse u.U. sinken kann. Persönlich finde ich es weniger schön, nur deshalb die Versammlung zu stören, weil einem der Rest egal ist, anstatt die restliche Zeit des öffentlichen Sitzungsteils am Platz zu bleiben, Ruhe zu wahren und “auszuhalten”. Das ist für mich eine Sache des Respekts. Für die Sache und für die anderen Anliegen, die noch behandelt werden sollten. – Aber das ist meine Meinung.

Ein weiterer wichtiger Tagesordnungspunkt war mit der Neugestaltung des Parkplatzes am Schützenplatz gegeben. Die dort geplante, große bauliche Veränderung wird das Erscheinungsbild Fallersleben an der südlichen Einfallsstraße stark beeinflussen. Als Fallersleberner Bürger finde ich es schon wichtig, ob dieses Vorhaben ein Erfolg oder ein Flop zu werden verspricht.

Vertreter der Stadt Wolfsburg stellten das gesamte Projekt und dessen derzeitigen Entwicklungsstand vor. Im endgültigen Stadium würde auf dem jetzigen Gelände ein Gebäude des VfB entstehen, dass für sportliche Aktivitäten zur Verfügung stünde. Gleichzeitig soll der Kreuzungsbereich Herzogin-Clara-Straße / Färberstraße angepasst und für die Querung sicherer gestaltet werden. Dieses Anliegen wurde aus dem Ortsrat heraus noch einmal deutlich gefordert.

Zwar würden durch die Bebauung Parkplätze wegfallen, die bei größeren Veranstaltungen wie z.B. dem Schützenfest fehlten, dafür könne man aber die Wiese vor dem Freibad zu Parkplätzen umwidmen, da diese derzeit sowieso nur den Charme einer “Wüste” hätte. (Zitat eines Wortbeitrags)

Interessant wurde es dann noch einmal, als Dr. Brinsa von der Stadt Wolfsburg das Bauvorhaben zur Erweiterung der Hauptschule vorstellte. An dieser Stelle sei gesagt, dass dieser Vortrag sehr informativ und fachlich fundiert erfolgte. Und alle Anwesenden konnten den Ausführungen vollständig folgen, sodass letztendlich kaum noch Fragen über blieben. Sehr gut gemacht.

Kommentar: Mir war bis dato gar nicht bewusst gewesen, dass Gymnasialklassen größer sind als die Klassen der anderen Schulformen. Zudem käme das Problem dazu, dass zu Beginn der 5. Klassen viele Schüler im Gymnasium einstiegen und dann oft recht schnell in die anderen Schulen wechselten. Dort sind die Klasse aber kleiner, was zu Platzmangel führt. Und dieser wiederum zur Notwendigkeit eines Schulausbaues. Und das möglichst schnell.

Darum habe man sich für eine Modulbauweise entschieden. Das muss von deutlich von Containern unterschieden, was mir auch noch nicht klar gewesen war. Langer Rede kurzer Sinn: die Stadtplanung hat sich wirklich ausgiebig Gedanken gemacht und kann bereits im Sommer 2024 mit den Arbeiten beginnen, die im Frühjahr 2025 abgeschlossen sein sollen. Außenanlagen kommen danach.

Auch die Neubauten der Sporthallen stehen in den nächsten Jahren an. Dies wird ebenfalls umfangreiche Vorkehrungen während der Bauzeit erfordern, damit der Betrieb des Freibades, aller Zuwegungen und der Sportbetrieb in der Karl Werner Halle weiterlaufen kann.

Noch einmal: Die Stadtplanung hat ein sauberes Stücke Arbeit vorgelegt und erhielt seitens des Ortsrates volle Zustimmung.

Kommentar: Danach endete (mehr oder weniger) der öffentlich Teil der Ortsratssitzung und der Herold musste, wie alle noch verbliebenen Gäste den Saal verlassen.

Warum nun dieser lange Artikel?
1. nicht jeder liest eine Tageszeitung
2. es war lediglich eine Pressevertreterin anwesend (schade eigentlich, angesichts der Themen)
3. Wir haben den Ortsrat gewählt, wir sollten ihm also ruhig auf die Finger schauen 😉

 

 

Archiv